Wyoming und der Green River

Wyoming und der Green River

Von Utah – genau gesagt von Grand Junction, wo uns der California Zephyr hinbrachte – führte uns die Reise gen Norden nach Vernal und Rock Springs in Wyoming. Auf dieser Etappe war die Dinosaurier Ausgrabestätte Dinosaur National Monument ein Höhepunkt. Auch der Green River hat uns beeindruckt: beim Split Mountain tritt er aus einer Bergkette hervor und schon früh war das für die Geologen ein grosses Rätsel: wie kommt der Fluss dazu, eine Bergkette zu durchschneiden – so wie wir mit dem Messer einen Kuchen teilen.

Später sahen wir nochmals ähnliches: die Schlucht des Wind Rivers in der Bergkette Wind River Range. Überhaupt die Geologie: immer wieder staunen wir über die geologischen Zeiträume und was Wasser und Wind und Tektonik im Laufe der Unvorstellbaren Jahrmillionen erschaffen. Anders als im heimischen Gefilden ist hier die Arbeit der Natur deutlich zu erkennen – weil nicht durch viel Vegetation verdeckt.

Immer wenn ich hier bin, öffnet sich erneut ein Widerspruch, der in folgendem Zitat einzigartig formuliert ist:

„..Das Missverhältnis zwischen Lebenszeit und Weltzeit bringt den Menschen in eine Position, in der er an der einen kein Genügen finden kann, gleichzeitig aber von der anderen ausgeschlossen bleibt. Mit der Zeit der Natur ist nicht nur eine beispiellose Erstreckung und Stabilität verbunden, sondern im selben Masse auch die unheilbare Enttäuschung darüber, zur natürlichen Zeit nicht aufschliessen zu können – also auf immer vom natürlichen Werden in seiner ganzen Grösse ausgeschlossen zu bleiben…“ (gefunden in Henning Ritter, Notizhefte, Juni 2010).

Dank dieser Landschaft also immer wieder die Gedanken an die Weltzeit – die Landschaft präsentiert sich hier, wie wenn die Gestalter Hals über Kopf die Arbeit verlassen hätten, die Werkstatt unaufgeräumt. Dank karger Vegetation ist alles viel klarer zu sehen. Die unendliche Weltzeit kann hier direkt gefühlt werden.

Wyoming ist gross und, abgesehen von ein paar Bergzügen ziemlich flach; irgendwie faszinierend und im Auto doch nach 2 Std. etwas langweilig zu nennen: wir fuhren mehr als 500 km und sahen immer nur flachen oder gewellten Horizont – teilweise schneebedeckte Berge weit weg: die rücken näher und näher, die Strasse steigt stetig an und im Handumdrehen liegen die Schneeberge hinter uns und nach vorne wieder endlose grüne Ebene. Ohne gute Hörbücher ist dies nicht zu schaffen; gehörte Geschichten lassen die gefühlte gegenüber der realen Fahrzeit kleiner erscheinen.

Wir durchfuhren das ausgedehnte Powder River Basin, hier wird 40% der US Kohle abgebaut. Der Schwefelgehalt dieser Kohle ist sehr niedrig und so wird viel davon in Kohlekraftwerken verbrannt. Dies rechnet sich in Güterzüge um: bis 40 schwere Kohlenzüge verlassen diese Region täglich – jeder bis 15‘000 Tonnen schwer (bis 150 Wagen zu 110 Tonnen). Railroading big time!

So fährt man stundenlang – links und rechts immer grünes Gras:

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