Alleine Essen auf Reisen

Darüber hatte ich vor Jahren schon geschrieben, hier aus einem Reisebericht vom Mai 2011 (in Phoenix, Arizona):
Abends, kurz vor Sonnenuntergang, in der Gorden Biersch Brewery gesessen und Salat und wunderbares Amber-Bier genossen. Mein Tisch grad am grossen Fenster Richtung Westen – Sunset in Phoenix mit gutem Bier, das lasse ich mir gefallen. Restaurant voll, alle zu zweit, nur der Peter alleine an einem Tisch. Muss ausgehalten werden und wird es auch. So was ist noch innerhalb meiner comfort zone – wie man hier zu sagen pflegt. Am Nebentisch seit kurzem ein Ehepaar mit Tochter, wohl so gegen 17, hübsches Gesicht, nicht mehr ganz schlank, aber nicht dick, Ansatz eines ersten Ringes um den Bauch. Die Frau auch recht gepflegt, rötlich-blondes Haar, das sie immer wieder hinter die kleinen, wohlgeformten Ohren schiebt, mit einer Geste, die ganz natürlich wirkt. Der Mann in dunkelblauem Hemd, langarmig, graue, gekrauste Haare, konservative Schuhe, ein ernsthafter Mann, dem ein Gebrauchtwagen wohl abzukaufen wäre – er schweigt oft, während Mutter und Tochter reden; wenn er was sagt, wendet er sich aber beiden zu. Sie reden zusammen. Vielleicht eine happy family. Draussen verschwindet das Orange vom Himmel, wird ersetzt durch hellblau und später durch dunkel-blau. Bin auch bald blau von diesen halben Liter Bier; in der Zwischenzeit viele Tische leer, die Ame-rikaner essen früh, am Nebentisch immer noch Gespräch, worüber wohl. Sind sie glücklich, haben sie gute Freunde, leben sie eine erfüllte Sexualität – die Antworten sind den Menschen nicht auf die Stirn geschrieben. Wie bewältigen sie auftauchende Probleme? Allein zu sitzen schärft beides: Fantasie und Beobachtung. Über die manchmal aufscheinenden Abgründe der Einsamkeit gibt es doch immer Brücken grad in der Nähe.
Alleine zu sitzen, zu warten aufs Essen, das Smartphone in der Tasche lassend – dies fand ich früher schwierig, nahm sogar manchmal ein Buch mit. Dann habe ich aber begonnen, die Menschen rund um mich genauer zu betrachten, mir vorzustellen, wie sie wohl leben, wie sie wohnen, und und und. Seitdem macht mir das Spass und die frühere Verlegenheit hat einer Neugier Platz gemacht. Fühle mich jeweils sehr im Hier und Jetzt. Fast wie Meditation…
